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Name:
Sauberer, Franz-Josef
Geboren:
26. Februar 1904, Wien
Bio:

Franz-Josef Sauberer wurde 1904 in Wien geboren. Sein Vater war der Anstreicher Josef Sauberer (geb. 12. Dezember 1880) aus Klausen-Leopoldsdorf (Bezirk Baden, Niederösterreich). Franz Sauberer besuchte von 1910 bis 1918 in Wien-Favoriten und Wien-Simmering die Volks- und Bürgerschule, dann trat er als Lehrling in die Maschinenfabrik Julius Pintsch in Wien-Simmering ein. Nach der Lehre und einem Jahr als Gehilfe verließ er wegen eines Lohnkonflikts die Fabrik. Nach der Lehrzeit absolvierte er im Wiener Arsenal noch einen zweijährigen Werkmeisterkurs. Ein Jahr arbeitslos, fand er Arbeit in einer Armaturenfabrik in Wien-Favoriten, wo er bis zu seiner Auswanderung beschäftigt war. Angeblich wurde er wegen politischer Aktivitäten für die KPÖ mehrmals verhaftet. Als ihm 1926 eine längere Haftstrafe drohte, emigrierte er in die Sowjetunion. Er fand Arbeit als Schlosser im Betrieb Свет шахтера (Licht des Bergarbeiters), der Ausrüstungen für den Bergbau herstellte, daneben engagierte er sich für die alpinistische Bewegung und war im Auftrag der Partei für den ukrainischen Rat der Allunionsgesellschaft für proletarischen Tourismus und Exkursionen tätig. 1929 bis 1931 nahm Sauberer mit Gustav Döberl und dem österreichischen Kommunisten Anton Zak (1903-1975) an ukrainischen Expeditionen in den zentralasiatischen Tien-Shan (Тянь-Шань) teil, wobei er mit einer Reihe von Erstbesteigungen von Sechstausendern in die sowjetische Alpingeschichte einging. Sauberers größter Erfolg war 1931 die Erstbesteigung des Khan-Tengri (7010 m) im Tien-Shan, zusammen mit den zwei sowjetischen Bergsteigern Boris Tjurin (Борис Тюрин) und Michail Pogrebeckij (Михаил Тимофеевич Погребецкий). In den folgenden Jahren 1932 bis 1934 bewährte sich Sauberer als Organisator und Leiter ukrainischer Bergsteigerlager im Kaukasus. Wegen Verdachts der Spionage, terroristischer und konterrevolutionärer Aktivitäten wurde Sauberer zusammen mit einem Dutzend anderen Bergführer und Schulungsleiter am 8. Juni 1937 im Bergsteigerlager in der Schlucht Adyl-Su bei Nal'čik im zentralen Kaukasus verhaftet. Gegenüber der Gestapo Wien gab Sauberer zu Protokoll, dass er erst am 8. August 1937 im Bergsteigerlager Adyl-Su verhaftet wurde. Er wurde aufgrund von angeblichen Aussagen des aus Wien-Inzersdorf stammenden Leopold Vlach beschuldigt, ein Attentat auf Stalin und Vorošilov geplant zu haben. Sauberer wurde wiederholt verhört und geschlagen. Am 22. April 1938 wurde er über die polnische Grenze abgeschoben und erreichte mit Hilfe des Roten Kreuzes Berlin. Verwandte ermöglichten ihm die Rückkehr nach Wien, wo er als politisch unzuverlässig nicht in die Deutsche Wehrmacht einberufen wurde. Er arbeitete in einer Fabrik und verbrachte seine Freizeit in den Bergen. Zusammen mit seinen Eltern kam er 1944 bei einem amerikanischen Luftangriff auf Wien ums Leben. Sauberer war von 1928 bis zum 13. Oktober 1935 Mitglied der VKP(b), sein Ausschluss erfolgte aus „nicht politischen Gründen“. Seine Frau, die Schneiderin Elvine Sauberer (geb. 4. Juni 1903 in Dunaevcy, ukrainisch Дуна́ївці, Chmel'nickaja obl.), Tochter des Webers Traugott Steinhauer, konnte mit einem österreichischen Reisepass bereits am 5. Mai über Lundenburg in die „Ostmark“ einreisen. Sie erreichte Wien noch vor ihrem Mann. Das Paar hatte 1929 in Char'kov geheiratet und hatte keine Kinder.

Web:
www.doew.at/erinnern/biographien/oesterreichische-stalin-opfer-bis-1945/stalin-opfer-s/sauberer-franz
Literatur:
Vogl, Josef: Spionage am Pik Stalin. Österreichische Bergsteiger im sowjetischen Exil. In: Jahrbuch 2016. Fanatiker. Pflichterfüller. Widerständige. Reichsgaue Niederdonau, Groß-Wien. Wien: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, S. 285-316

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
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