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Name:
Gurski, Hermann
Geboren:
Bio:
Dreher, Mitglied der KPD in Kiel, ging mit seiner Frau Pauline und der zehnjährigen Tochter in die UdSSR und arbeitete in Kemerovo in einem Werk, das Maschinen anderer Fabriken wieder in Stand setzte. Die Familie Gurski fühlte sich in ihrer Wohnung in einem eigens für die ausländischen Arbeiter errichteten Barackenlager wohl, da sie die zwei Zimmer, Küche und Bad ganz für sich hatte. Die Familie war nicht die einzige, die ein Stückchen Land mit Kartoffeln bepflanzte, einen Gemüsegarten bewirtschaftete und ein Schwein, Hühner und Kaninchen hielt. Die Situation verschärfte sich, als unter dem Mäntelchen der Stachanow-Bewegung (Bestarbeiter, die weit über das Soll hinaus produzierten) 1931 Akkordarbeit eingeführt und der Lohn nur noch leistungsabhängig gezahlt wurde. Dies beurteilten auch schleswig-holsteinische Arbeitsemigranten als reine Mengenschinderei auf Kosten jeder Qualität. Die deutschen Arbeiter hatten zudem noch ganz gut die KPD-Losung „Akkord ist Mord!“ im Ohr. Pauline Gurski erlebte nach der Verhaftung ihres Mannes im November 1937, wie der Trust, für den ihr Mann gearbeitet hatte, die Möbel aus der Wohnung holte. Dann erfolgte die Kündigung. Dass sie mit ihrer Tochter nicht auf der Straße kampieren musste, verdankte sie Bekannten, die sie aufnahmen. Mit dem Ausweisungsbefehl in Händen mussten sie einige Wochen überbrücken, bis sie mit den Pässen vom Deutschen Generalkonsulat in Nowosibirsk über Moskau ausreisen konnten. In dieser Zeit gelang es ihr dreimal, ihrem Mann im Gefängnis Päckchen mit Wäsche, Lebensmittel und Geld zu bringen. Mit Hunderten von Frauen wartete sie bei minus 30 Grad vor dem Gefängnis außerhalb der Stadt auf Einlass. Hermann Gurski gilt als verschollen.
Web:
www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_28/03_Dettmer.pdf
Literatur:
Dettmer, Frauke: „Und niemand wird übrigbleiben“. Emigranten aus Schleswig-Holstein in der stalinistischen Sowjetunion. In: Demokratische Geschichte. Jahrbuch für Schleswig-Holstein 28. Malente: Schleswig-Holsteinischer Geschichtsverlag, 2017, S. 168, 170, 183, 185, 186

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
arrow Verzeichnis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

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