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Name:
Neher, Carola
Geboren:
2. Dezember 1905, München
Bio:
Heiratete 1925 den Dichter Klabund (der 1928 starb), war dann mit dem in Rumänien geborenen Anatol Becker (* 12. Juni 1898 in Kiew) verheiratet, der am 12. Dezember 1938 verhaftet und am 1. Februar 1940 zum Tod durch Erschießen verurteilt wurde. Er wurde am 2. Februar 1940 gemeinsam mit Wsewolod Meyerhold hingerichtet. Ausbildung in den Kammerspielen München. Carola Neher war eine bekannte deutsche Schauspielerin. Sie sympathisierte mit der KPD, unterzeichnete z.B. 1933 einen Aufruf fortschrittlicher Künstler gegen Hitler. 1933 Emigration, 1934 kam sie in die UdSSR. Dort am 25. Juli 1936 inhaftiert, weil sie in Prag Verbindung zu dem inzwischen aus der KPD ausgeschlossenen Erich Wollenberg gehabt hatte. Sie wurde am 16. Juli 1937 zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. "Am 5. September 1938 schrie sie und machte sie in der Zelle Lärm - einmonatiges Leseverbot." Ihren Sohn Georg Becker (geb. 1934) bekam sie nie mehr zu sehen. 1940 befand sich Carola Neher bereits in der Auslieferungszelle nach Deutschland, wurde aber wieder ins Lager zurückgebracht. Sie starb am 26. Juni 1942 im Gefängnis von Sol-Ilezk an Typhus. Ihr Sohn erfuhr erst in den sechziger Jahren, daß Carola Neher seine Mutter war, er schrieb: "Vor einem Jahr habe ich zum erstenmal die Gesichter meiner Eltern auf den Fotos gesehen. Schweigsame starre Gesichter. Es ist unmöglich, durch die Trauer allein dieses schwere Gefühl auszudrücken, das in meiner Seele seit jener Zeit erstarrt ist." (FAZ vom 14. September 1973). Georg Becker durfte 1975 aus der UdSSR in die Bundesrepublik ausreisen.
Tod:

Starb am 26. Juni 1942 im Gefängnis von Sol-Ilezk an Typhus

Web:
www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/carola-neher/
Literatur:

Weber, Hermann: "Weiße Flecken" in der Geschichte. Die KPD-Opfer der Stalinschen Säuberungen und ihre Rehabilitierung. Berlin: LinksDruck, 1990, S. 104-105; Nir-Vired, Bettina, Reinhard Müller, Irina Scherbakowa, Olga Reznikova (Hrsg.): Carola Neher - gefeiert auf der Bühne - gestorben im Gulag. Berlin 2016; Institut zur Geschichte der Arbeiterbewegung (Hrsg.): In den Fängen des NKWD. Berlin: Dietz Verl., 1991, S. 159; Lukács, Georg, Johannes R. Becher, Friedrich Wolf u.a.: Die Säuberung. Moskau 1936: Stenogramm einer geschlossenen Parteiversammlung. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, 1991, S. 276-277

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
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"Ich mag alles, was nicht so viel quatscht."

King Benny (Vittorio Gassman) in "Sleepers" (USA 1996)