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Name:
Mühsam, Kreszentia, geb. Elsinger
Geboren:
28. Juli 1884, Hasbach/Bayern
Bio:

Zenzl Mühsam war das fünfte Kind der Holledauer Gastwirte und Hopfenbauern Creszentia und Augustin Elfinger. Am 15. September 1915 heiratete sie Erich Mühsam; in die Ehe brachte sie ihren Sohn Siegfried, dessen Vater sie öffentlich nie preisgegeben hatte. Die Ehe mit Mühsam blieb kinderlos; sie gilt als emanzipierte Kämpferin an Mühsams Seite, die sich während seiner Festungshaft für eine Amnestie der Räterevolutionäre einsetzte. Zu zwei Hochzeitstagen (1924 und 1933) sandte Erich Mühsam ihr aus der Haft Bilderbücher mit eigenen Gedichten und Federzeichnungen, die von künstlerischer Begabung Mühsams auch auf bildnerischem Gebiet zeugen. Nach der Ermordung ihres Mannes im Juli 1934 bekam sie unter anderem Hilfe von Meta Kraus-Fessel. Sie flüchtete - entgegen der Warnung ihres Mannes - über Prag nach Moskau ins Exil. Sie hatte seinen Nachlass retten können und übergab die Schriften dem Maxim-Gorki-Institut für internationale Literatur. Am 23. April 1936 wurde sie wegen "konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit" erstmals verhaftet und in der Moskauer Lubjanka inhaftiert. Es folgten Änderungen der Anklagepunkte, Freilassung unter Aufenthaltsverbot für Moskau und Leningrad und eine erneute Verhaftung im November 1938 mit einer Verurteilung gemäß Artikel 58 des Strafgesetzbuches der RSFSR am 11. September 1939 wegen "Zugehörigkeit zu einer konterrevolutionären Organisation und wegen konterrevolutionärer Agitation" zu acht Jahren Arbeitslager. Diese Strafe verbüßte sie im Lager Potma in der Mordwinischen Republik. Im November 1946 entließ man sie und setzte sie völlig mittellos in einen Zug nach Nowosibirsk. 1949 wurde sie erneut inhaftiert und "auf ewig" nach Nowosibirsk verbannt. Erst 1954 kam sie frei und durfte in die DDR ausreisen. Bis dahin hatte sie fast 20 Jahre in sowjetischen Straflagern und Verbannung verbracht. 1959 wurde sie anlässlich ihres 75. Geburtstages mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber ausgezeichnet. 1962 starb Zenzl Mühsam im Alter von 77 Jahren. Sie erhielt ein Ehrengrab in der Grabanlage "Pergolenweg" der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Nach dem Ende der DDR wurde ihre Urne im Herbst 1992 in das Ehrengrab Erich Mühsams auf dem Waldfriedhof Dahlem übergeführt - veranlasst durch Rationalisierungsmaßnahmen der Friedhofsverwaltung und die Auffassung des Berliner Senats, "dass nur die Teilung der Stadt eine gemeinsame Grabstätte bis dato verhindert hatte".

Web:
de.wikipedia.org/wiki/Zenzl_M%C3%BChsam
Literatur:

Institut zur Geschichte der Arbeiterbewegung (Hrsg.): In den Fängen des NKWD. Berlin: Dietz Verl., 1991, S. 154; Lukács, Georg, Johannes R. Becher, Friedrich Wolf u.a.: Die Säuberung. Moskau 1936: Stenogramm einer geschlossenen Parteiversammlung. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, 1991, S. 276

Hilfestellung bei der Auflösung verwendeter Abkürzungen:
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