- Datum:
- 23. 4. 1911
- Ereignis:
Ernst Frick schreibt an Emilie Benz: „Ich möchte aus praktischen Gründen Ihnen hier noch sagen, dass Sie den Standpunkt aufgeben sollen, Sophie wäre durch Dr. Gross auf eine unglückliche Bahn gedrängt worden. Ihr Schicksal war von früher her bestimmt. Sie wissen, dass Sophie lebendig und stark war. Sie war es immer. Aber in ihrer Liebe und ihrem nicht klar erkannten Wollen konnte ihre Kraft und ihr Leben dämonisch wirken. Davon wissen Sie nichts, weil Sie sie weder in der Liebe noch ihrer volleren Entwicklung gekannt und verstanden haben. Wenn Sie nicht ihr Leben und ihren Tod vom Gesichtspunkt menschlichen Geschehens aus betrachten wollen, dann stellen Sie sich doch einmal auf den engern Standpunkt der Angehörigen von Dr. Gross. Er war einmal das, was man für gewöhnlich gesund nennt; ein Mensch von glänzenden Qualitäten. Als Sophie ihn kennen lernte, war er geliebt und man erwartete von seinem Leben noch das Ausserordentlichste. Und damals fing das Leben einer intensiven innern Arbeit, bei einer immer weiter gehenden Isolation nach aussen an. Die Versuche, diesen gefährlichen Verhältnissen entgegen zu wirken, um Gross für sich und ein Leben zu retten, unterblieben nicht. Aber man befand sich hier fast immer der Passivität von Gross und negativen Aktivität Sophies gegenüber. Sie hat für ihre Liebe und ihr Wollen die Gefahren nicht geachtet und Dr. Gross mitbestimmt.“
- Quellen:
Brixel, Petra: Glück ist Leid. Marburg a.d.L.: LiteraturWissenschaft.de, 2023, S. 225457-458
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