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Datum:
28. 7. 1918
Ereignis:

Harry Graf Kessler in Berlin in seinem Tagebuch: "Becher frühstückte bei mir. Er sieht gesünder aus, weniger verkommen und zerschlagen, bis auf die Zahnlücke und die fürchterlichen Narben an den Handgelenken, dick gequollene rote Striemen, wo er sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Er ist und bleibt ein Gast aus der Hölle; dabei immer voll von phantastischen Geschichten. Von der Else Lasker-Schüler, die mich verfolgt mit Gesuchen um eine Anstellung in der Schweiz, erzählte er einen Zusammenstoss mit Lichnowsky, bei dem sie eingedrungen sei, während er ein Diner für den Gesandten im Haag Rosen gab; sie habe die Lakaien im Vorzimmer umgerannt, ihr Recht, als Prinz von Theben teilzunehmen an der Festlichkeit, geltend gemacht und schließlich Rosen von seinem Stuhl an der Tafel verdrängt. [...] In der Anstalt von Scholinus behauptet Becher sich wohl zu fühlen. Nur hungere er; sättige sich an Pferdefleisch."

Quellen:

Riederer (hrsg.). Harry Graf Kessler. Das Tagebuch Sechstet Band 1916-1918, Stuttgart 2006, S. 482-483

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