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Tag:
19
Monat:
8
Jahr:
1915
Ereignis:

Heinrich und Gertrud Goesch schreiben [in der Ich-Form, R.D. ] in Dornach an Rudolf Steiner: "Ich habe erkannt, daß Sie bei Ihrem Wirken in unserer geistigen Bewegung ne­ben Ihrer dem Guten gewidmeten Tätigkeit auch eine dem Bösen dienende Hand­lungsweise nebenhergehen lassen. Als gut erkenne ich vor allem die uns durch Sie gebrachte Esoterik, die uns durch Sie verkündete Lehre, die uns durch Sie geschenk­ten Mysterienspiele, die Inaugurierung der Eurythmie, die Kunst des Johannesbaus. In allen diesen Beziehungen sehe ich in Ihnen nach wie vor einen Abgesandten der großen weißen Loge und fühle mich von tiefster Dankbarkeit für Sie und Ihre dem Guten gewidmete Tätigkeit erfüllt. Als böse aber erkenne ich die Art, wie Sie das Verhältnis zwischen sich und den andern Mitgliedern unserer geistigen Bewegung gestalten. In dieser Ihrer dem Bösen dienenden Handlungsweise erblicke ich die al­lergrößte Gefahr für unsere geistige Bewegung. Sie stellen solche Beziehungen zwi­schen sich und den anderen Mitgliedern her, daß die andern nur Glieder von Ihnen, nicht aber selbständige geistige Wesenheiten neben Ihnen sein sollen. Sie verhalten sich zu den andern nur scheinbar als ein Mensch unter Menschen. In Wahrheit verschmähen Sie eigentlich jede wahrhaft menschliche Verbindung und maßen sich statt dessen Eingriffe in das Leben der anderen an, die nur den Göttern, nimmer-mehr aber einem heutigen Menschen zustehen. So schaffen Sie einen antichristli­chen Zusammenhang zwischen sich und den andern Mitgliedern unserer geistigen Bewegung."

Quellen:
Link zum Dokument:
fvn-rs.net/index.php?option=com_content&view=article&id=2240%3Adornach-21-august-1915&catid=142%3Aga-253-probleme-des-zusammenlebens-in-der-anthropo&Itemid=4