Harry Graf Kessler in Berlin in seinem Tagebuch: "Die Hadwiger eilt mir mit, dass Becher wieder Morphium u sogar Cocaïn nimmt und unsinnige Versprechungen, die ich ihm gemacht haben soll, erzählt. Er habe gestern 'einen fürchterlichen Anfall von Toben u. Delirien gehabt. Der Oberwärter der Scholinusschen Anstalt sei gekommen, habe ihn aber nicht abtransportieren können, weil er wieder in totenähnlichen Schlaf verfallen war. Aus seinen Reden habe sie entnommen, dass er eine ganze Tube Luminaltabletten eingenommen hatte .... offenbar wieder so ein kleiner Suicidversuch'. - Sie fragte an, was sie machen solle? Ob sie ihn durch die Sanität in die Anstalt nach Pankow zurückschaffen solle?" [...] Aber dass Becher und Unruh, die beiden stärksten deutschen Dichter dieses Krieges, jetzt wieder gleichzeitig ihre Hemmungslosigkeit zeigen, ist ein erschütterndes Symptom der allgemeinen Brüchigkeit."
Riederer (hrsg.). Harry Graf Kessler. Das Tagebuch Sechstet Band 1916-1918, Stuttgart 2006, S. 499-500