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Tag:
25
Monat:
2
Jahr:
1915
Ereignis:

Richard Oehring schreibt an seinen Bruder Fritz: "Ich glaube jetzt, daß der Krieg nur ganz äußerlich das Bedeutsame ist und daß er nicht das zu geben vermag, was ich von ihm hoffen zu können glaubte. Ich will zur Frau stehen und ganz rein und klar zu ihr als Kamerad stehen. Ich will versuchen, in vollkommener Freiheit leben zu können. Das ist furchtbar schwer. Es kann auch nicht einfach sein, nachdem jahrelang die Menschen ganz anders gelebt haben. Ich will versuchen, mich von jeder eingepflanzten Idee freizumachen und zu dem reinen Willen und der unbeirrten Vorstellung zu gelangen, welche ich im Innern des Menschlichen fühle und in denen mir eine Verheißung von Liebe und Harmonie glüht. Cläre leuchtet und blüht uns auf diesem Wege. [...] Zunächst bin ich zum 15. April hier verpflichtet. Ich werde dann nach Berlin zurückkehren und sehen, ob ich noch meiner Landsturmpflicht genügen muß. [...] Wenn man doch J.'s [gemeint ist Franz Jung, RD] Situation wüßte. Man muß ihm zu helfen versuchen, seinetwegen und der anderen wegen. Ich gerade habe ihm ungeheuer viel zu danken. Es ist schrecklich, daß das Verhältnis zu seiner Frau so furchtbar ist."

Quellen:

Storch, Georg Schrimpf und Maria Uhden, Berlin 1985, S. 39

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