Else Jaffé schreibt aus Heidelberg an Frieda Gross: "Seltsam, ich denke seitdem mit einer wachsenden Sehnsucht an den Otto von früher, vielleicht weil ich immer mehr realisiere, dass nichts seiner Art von Geistigkeit gleichkommt. “Seiner Art von Geistigkeit” ist dumm, ich wollte nämlich damit sagen, dass ich das von Otto meine ganz abgesehen vom Erotischen. Auf der Rückreise war ich einen halben Tag allein in München, beim Ankommen sah ich Otto und Dich da stehen, wie Ihr mich abholtet, ehe das Peterl kam - wäre dann am liebsten am nächsten Morgen auf den Zieblandstrassen-Friedhof gegangen - liess es aber dann und kaufte lieber 3 Paar kleine rote Schuhe. Das Nachhausekommen, mein Friedel, war herzerquickend! [...] Wenn Du in München bist, komm ich möglichst gleich zu Dir - Wo werden Deine Männer denn sein? Und Sofie [Benz] lässt Dir den Otto wieder ganz! Und wie ist er? Wohl sehr froh und dankbar um Dich! Wenn ich nur mir ein rechtes Bild von dem allen machen könnte, dem Ernst [Frick] vor allem! Gott sei’s gedankt, dass Du den hast."
Roth, Edgar Jaffé, Else von Richthofen and Their Children, New York, N.Y., 2012, S. 65-66