Wie ein alter Ägypter - Sigmund Freud über Methode und Schriften des Otto Gross

Im Londoner Freud Museum sind Teile der Bibliothek Sigmund Freuds erhalten, darunter drei Schriften von Otto Gross. Das Exemplar der Monographie "Das Freudsche Ideogenitätsmoment und seine Bedeutung im manisch-depressiven Irresein Kraepelins" enthält eine handschriftliche Anstreichung Freuds, auf die unten näher eingegangen wird. In welchem Umfang hat Sigmund Freud überhaupt - so weit dies heute rekonstruierbar ist - das Werk von Otto Gross rezipiert?

Wir können davon ausgehen, dass Freud die relevante Fachliteratur seiner Zeit aufmerksam studiert hat. Insofern werden ihm die Veröffentlichungen von Gross in den gängigen Zeitschriften zugänglich gewesen sein. 1905 findet sich in Freuds Schriften ein erster Hinweis. In seiner Monographie "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten" (Leipzig 1905) schreibt Freud: "In der Traumarbeit fällt der Darstellung durchs Gegenteil eine noch weit größere Rolle zu als beim Witz. Der Traum liebt es nicht nur, zwei Gegensätze durch ein und dasselbe Mischgebilde darzustellen; er verwandelt auch so häufig ein Ding aus den Traumgedanken in sein Gegenteil, daß hieraus der Deutungsarbeit eine große Schwierigkeit erwächst. 'Man weiß zunächst von keinem eines Gegenteils fähigen Elemente, ob es in den Traumgedanken positiv oder negativ enthalten ist.' 1) Ich muß hervorheben, daß diese Tatsache noch keineswegs Verständnis gefunden hat. Sie scheint aber einen wichtigen Charakter des unbewußten Denkens anzudeuten, dem aller Wahrscheinlichkeit nach ein dem 'Urteilen' vergleichbarer Vorgang abgeht. An Stelle der Urteilsverwerfung findet man im Unbewußten die 'Verdrängung'. Die Verdrängung kann wohl richtig als die Zwischenstufe zwischen dem Abwehrreflex und der Verurteilung beschrieben werden. 2) Und in der Fußnote zu 2 findet sich folgende Erläuterung: "Dieses höchst merkwürdige und immer noch ungenügend erkannte Verhalten der Gegensatzrelation im Unbewußten ist wohl nicht ohne Wert für das Verständnis des 'Negativismus" bei Neurotikern und Geisteskranken. (Vgl. die beiden letzten Arbeiten darüber: Bleuler, 1904, und Otto Groß, 1904, ferner mein Referat 'Über den Gegensinn der Urworte'". (S. 149) Der Titel von Otto Gross' Schrift, auf die Freud hier Bezug nimmt, lautet "Zur Differentialdiagnostik negativistischer Phänomene" und erschien in zwei Teilen in der Psychiatrisch-Neurologischen Wochenschrift (Bd. 6. 1904/05, No. 37, pp. 345-353, No. 38, pp. 357-363). Eine weitere Arbeit von ihm zum Thema, "Beitrag zur Pathologie des Negativismus", war kurz zuvor und in der gleichen Zeitschrift erschienen (Psychiatrisch-Neurologische Wochenschrift. Bd. 5. 1903/04, No. 26, pp. 269-273).

 

Am 28. Juni 1907 kommentiert Carl Gustav Jung in einem Brief an den hochverehrten Herrn Professor Sigmund Freud einige fachliche Neuigkeiten, darunter eine Veröffentlichung von Otto Gross: "Sie werden ja auch die Arbeit von Otto Gross erhalten haben, bei der mir allerdings nicht recht in den Kopf will, daß Sie mehr oder weniger bloß der Steinmetz sein sollen am unvollendeten Dom des Wernickeschen Systems. Immerhin ist es gut, daß alle auf Sie konvergierenden Linien demonstriert werden. Auch sonst enthält des Groß Arbeit allerhand Sonderbares, obschon er im Grunde genommen ein ausgezeichnetes Verständnis hat. Ich bin gespannt zu hören, was Sie dazu sagen." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 73-74)

 

Gross' Monographie "Das Freudsche Ideogenitätsmoment und seine Bedeutung im manisch-depressiven Irresein Kraepelins" (Leipzig 1907) ist Freud bekannt - sie findet sich in seiner Bibliothek mit dem Vermerk "Ueberreicht vom Verfasser" - und wurde von ihm früh ausführlich studiert, wie seine Antwort an Jung vom 1. Juli 1908 verdeutlicht: "Das Buch von Groß hat mich vor allem darum interessiert, weils es von der Klinik des Oberpapstes [gemeint ist Emil Kraepelin, d. Verf.] stammt,  von ihm wenigstens zugelassen wurde. Groß ist ein hochintelligenter Mensch; für meinen Geschmack ist in der Schrift zu viel Theorie für die magere Beobachtung. Die Analyse ist arg unvollständig - gewiß ohne seine Schuld; die Hauptsache, der Weg zum Stehlen gewiß richtig, aber in der Determinierung nicht ausreichend. Haben Sie bemerkt, daß er mit den Superlativen nur so uraßt? Der einzige, der nicht als 'bahnbrechend', 'umwälzend' usw. charakterisiert wird, bin gerade ich, was ein Vorzug ist. Darin zeigt sich wohl das abnorme Gefühlsleben Groß, von dem Sie mir Mitteilung gemacht haben. Ein bißchen erinnert er auch an die alten Ägypter, die in ihrem Pantheon nie etwas abgeändert, sondern jeden neuen Gott und jeden neuen Begriff auf den alten draufgesetzt haben, was eine unglaubliche Verwirrung zur Folge hat. So macht auch Groß eine Synthese aus mir und all seinen alten Göttern: Wernicke, Anton, usw. Ich bin gewiß ein schlechter Richter über Gleichstrebende; über Wernickes psychologische Leistungen dachte ich immer, er habe als Psychiater eigentlich keinen neuen Einfall gehabt, sondern seine anatomische Gewöhnung, in Schichten und Schnitte zu zerlegen, auf das Seelische ausgedehnt." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 76) Die Intensität, mit der sich Freud mit der Schrift von Gross beschäftigt hat, belegt eine weitere Passage im gleichen Brief: "Ich hatte gestern den ersten guten Tag nach einer mehrwöchentlichen Dyspepsie. Ich habe sonst nur aus persönlichen und Libido-Komplexen reagiert, oft in sehr versteckter gekünstelter Weise. Der 'Klepper' kommt von der Kleptomanie in der Arbeit von Groß." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 77)

 

In Freuds Exemplar der Schrift findet sich auf S. 40 eine Anstreichung des Rezipienten, der sich ansonsten mit Randnotizen zurückhält. Die hervorgehobene Passage beschäftigt sich mit den modifizierenden Kräften beim manisch-depressiven Irresein, die nach Gross' Ansicht "in praxi ausschließlich ideogener Natur 1)" sind [also durch Vorstellungen ausgelöst, d. Verf.]. Gross geht davon aus, dass sich ideogene Mechanismen zu zirkulären addieren und zwar in zwei hauptsächlichen Typen: "1. Der Verbrauch nervöser Reservekräfte durch eine ideogene Erkrankung macht den latenten zirkulären Mechanismus frei - sowohl für den Ausbruch der Krankheit im ganzen als auch in einer einzelnen Periode. - 2. Der endogene Ausbruch einer zirkulären Periode macht latent gewordene ideogene Symptome frei - besonders im Sinn der Aufhebung bestimmter spezieller Kompensationen." Freud erscheint besonders der nachfolgende Absatz der Schrift der Hervorhebung wert: "Der zirkuläre Mechanismus an sich ist gewiß etwas allgemein Präformiertes; er steht offenbar in enger Beziehung zum Typus der Anpassungsreaktion. 2) Er bedeutet gewissermaßen eine dauernde Fixierung ihrer typischen Phasen: Hemmung mit Konzentration und vitale Aufhöhung mit Beschleunigung. Es ist durch allgemein-physiologische Prinzipien gleichsam vorgezeichnet, daß der Übergang aus der Depression zur Norm über einen Zustand der Lust mit ihren zugehörigen mechanistischen Veränderungen hindurchführen muß." In beiden angeführten Fußnoten der Passage verweist Gross übrigens darauf dass "die sogenannten 'degenerativen' Züge in Wirklichkeit Komplexsymtome sind" und führt Carl Gustav Jungs Schrift "Über die Psychologie der Dementia Praecox. Ein Versuch" (1907) als Beweis an.

 

Am 11. September 1907 berichtet Carl Gustav Jung Sigmund Freud vom Verlauf des Amsterdamer Kongresses für Neuro-Psychiatrie: "... ebenso Groß aus Graz, der übrigens auch in der psychologischen Sektion eigehend für die Bedeutung Ihrer Lehre, soweit sie sich mit der Sekundärfunktion berührt, erörtert hat. Schade, daß Groß so psychopathisch ist; er ist ein sehr gescheiter Kopf und hat durch seine 'Sekundärfunktion' Einfluß auf die Psychologie gewonnen. Ich habe viel mit ihm gesprochen (Jung war im gleichen Hotel wie Gross abgestiegen, d. Verf.) und gesehen, daß er ein überaus eifriger Anhänger Ihrer Ideen ist." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 94) Freud war Gross' Veröffentlichung zum Thema, "Die cerebrale Sekundärfunktion" (Leipzig 1902) bekannt. Das Buch befand sich in seinem Besitz.

 

Am 21. Oktober 1908 schreibt der "ganz ergebene" Jung an den "lieben Herrn Professor": "Das Neueste von Groß ist, daß seine Frau sich nun wieder nicht von ihm trennen will. weil es ihm angeblich gut gehe. Haben Sie übrigens in der Hardenschen 'Zukunft" gelesen, was Groß jetzt literarisch arbeitet? Wenn's so weiter geht, kann die Sache nicht gut herauskommen. Seine Familie hat jetzt meine Diagnose akzeptiert, was für seine Frau eine große Erleichterung bedeutet." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 193) Jung bezieht sich hier auf die Veröffentlichung  des Aufsatzes "Elterngewalt" von Otto Gross in der "Zukunft" vom 10. Oktober 1908 (S. 78ff.), in dem er die Eltern seiner Patientin Elisabeth Lang anklagt, die Tochter wider ihren Willen in eine Heilanstalt eingeliefert und so seiner Behandlung entzogen zu haben.

 

Auf Gross' Schrift "Das Freudsche Ideogenitätsmoment ..." wird auch im Rahmen der Vortragsabende der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung mehrfach Bezug genommen, u.a. von Freud selbst, der sie am 24. März 1909 für die Behauptung, die Manie sei "nichts als ein Verdrängungsmechanismus" als Referenz anführt (Nunberg/Federn, Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bd. 2. 1976, S. 163). - Am 7. April 1909 verweist Rank in seinem Referat "Zur Psychologie des Lügens" (in Anwesenheit von Freud) mehrfach darauf, vor allem im Kontext seiner Ausführungen zur "sexuellen Wurzel der Kleptomanie" (Nunberg/Federn, Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bd. 2. 1976, S. 179), auf die Freud freilich entgegnet, dass die "Arbeiten von Groß und Stekel über Kleptomanie (...) nicht als etwas Definitives genommen werden wollen" (Nunberg/Federn, Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bd. 2. 1976, S. 182).

 

Am 3. Juni 1909 rekurriert Sigmund Freud im Brief an Jung auf den Erhalt einer anderen Schrift von Otto Gross: "Ereignis ist ein gestern angelangtes Buch von Otto Groß: 'Über psychopathische Minderwertigkeiten', noch nicht studiert, aber offenbar wieder sehr wertvoll, von kühner Synthese und überreich an Gedanken, wieder auch an zweierlei Hervorhebungen im Druck (fett und gesperrt), was einen exquisit paranoischen Eindruck macht. Schade um den bedeutenden Kopf! Ich weiß übrigens nicht, ob ich das Buch werde verstehen können. Manches greift mir zu hoch, und im ganzen meine ich geht er von mir auf seine früheren Stadien (Anton, Wernicke) zurück. Ist das nun bei ihm Regression wie bei der Neurose oder meine eigene Beschränktheit?" (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 250-251) - Jung antwortet am 4. Juni 1909 (ohne auf die aufgeworfene Frage zu reagieren), Gross habe ihm "seine Sache nicht geschickt. Ich werde es mir aber zu kaufen suchen. Könnten Sie mir vielleicht den Verlag mitteilen?" (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 253) Der Schweizer ist in diesen Tagen - auch gegenüber Sgmund Freud - sehr damit beschäftigt, den Eindruck zu zerstreuen, er habe sich seiner Patientin Sabina Spielrein in rufschädigender Weise genähert. Freud kommt auf Gross' Veröffentlichung am 7. Juni 1909 zurück, als er an Jung schreibt: "Groß, 'Über psychopathische Minderwertigkeiten', Wien, Braumüller 1909. Ich habe das Buch vom Alten [gemeint ist Gross' Vater Hans] bekommen, der an meinen anerkennenden Dankbrief die Bitte knüpfte, ich möge dem Otto schreiben, wie sehr mir das Buch gefiele, und ich möchte doch über einige Partien desselben mündlich mit ihm verhandeln. Ich lehnte mit Entschiedenheit ab unter Berufung auf die Ergebnisse Ihrer Untersuchung. Vor Otto Groß habe ich zuviel Respekt." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 255)

 

Am 7. April 1911 kommentiert Sigmund Freud in einem Brief an Carl Gustav Jung den Erhalt einer Postsendung von Otto Gross: "Otto Groß ist aufgetaucht. Er schreibt mir aus dem Sanatorium Steinhof bei Wien einen verehrungsvollen Brief und bittet mich dringend, möglichst bald eine begelegte Arbeit drucken zu lassen. Diese, sehr unordentlich mit Bleistift hingeschmiert, heißt 'In eigener Sache. Über die sogenannte Bleuler-Jungsche Schule' und enthält zwei Anklagen, daß Bleuler ihm die Bezeichnung Dementia sejunctiva entwendet, um sie als Schizophrenie vorzubringen, und daß Ihr Aufsatz 'Die Bedeutung des Vaters usw.' aus den Mitteilungen stammt, die er von Ihnen während seiner Analyse gemacht hat. Sonst aber nichts. Ich habe ablehnend geantwortet. Prioritätsstreitigkeiten seien mir von jeder unsympathisch (Komplexzeichen!), im ersten Falle handle es sich um eine nichtige Namensgebung, im zweiten um ein Thema, das jeder für sich selbst entdecken könnte. Auf Anregungen im Gespräch pflegte ich nie Ansprüche zu gründen. Er brauche diese Rekriminationen nicht, seine Originalität sei von allen Seiten, auch von Ihnen beiden, zugestanden. Weiteres habe ich noch nicht gehört." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 457-458) Das änderte sich schnell, denn schon am 11. April 1911 schreibt Freud an Jung: "Groß hat seinen Artikel 'In eigener Sache' wütend zurückverlangt und erhalten." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 458). Am 19. April erklärt sich Jung in der Sache im Brief an Freud: "Groß ist ein ausgemachter Narr, dem der Steinhof eine passende Sinekure ist. Er soll aber lieber noch etwas produzieren als Polemiken schreiben. Von verletzter Priorität ist gar keine Rede, indem der Passus meiner Arbeit, wo ich Groß erwähne, die abgemachte Formel war. Zudem war ihm jegliches Gegenrecht freigegeben, wenn er es nicht benützt, so ist es seine Sache. Er versucht zu parasitieren, wo es nur immer geht." (Freud/Jung, Briefwechsel. 1974, S. 459-460). Tatsächlich findet sich in der Erstveröffentlichung der Schrift "Die Bedeutung des Vaters für das Schicksal des Einzelnen" (1909) die Anmerkung "Diese Erfahrungen und nicht zum mindesten eine gemeinsam mit Otto Groß durchgeführte Analyse haben mir die Berechtigung dieser Anschauung eindringlich nahegelegt." (S. 156)

 

Am 25. Oktober 1911 ist "Das Freudsche Ideogenitätsmoment ..." von Gross erneut Gegenstand der Debatte beim Vortragsabend der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (in Anwesenheit von Freud und auch Sabina Spielrein). Es ist Rosenstein, der in der Diskussion des Referats von Ludwig Klages "Zur Psychologie der Handschrift" darauf verweist und damit seine Ausführungen zu verstärken sucht: "Und bevor man sich der Untersuchung der psychischen Inhalte zuwendet, muß man sich erst mit den psychischen Tätigkeiten beschäftigen." (Nunberg/Federn, Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bd. 3, 1976, S. 286) - Und auch der Vortragsabend am 13. März 1912 (wieder in Anwesenheit von Freud und Spielrein) kommt nicht ohne die Erwähnung der Schrift aus, wenngleich es diesmal Federn ist, der in der Onanie-Debatte gleich anfangs darauf verweist, es aber "dahingestellt" sein lässt, "ob dieser mit seiner Auffassung von der Wirkung der Hemmung auch im Recht sei" (Nunberg/Federn, Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bd. 4. 1976, S. 67). Rosenstein, der Referent des Abends, beeilt sich in der Diskussion zu bemerken, "daß er Groß zwar kenne, aber seine Erwähnung in [diesem] Zusammenhang nicht für wichtig gehalten habe. Die Hemmung als letzte Ursache der Neurose sei bis jetzt nicht widerlegt worden. Unter der Sejunktion sei ja bloß eine Anlage verstanden." (Nunberg/Federn, Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bd. 4. 1976, S. 68) Nach Spielrein und Marcus ergreift auch Freud selbst das Wort, um einzuschränken dass "mit der Annahme der sejunktiven Disposition nichts gewonnen sei. Die Unfähigkeit zur Synthese sei allerdings tatsächlich angeboren, da beim Kind in exquisiter Weise sich äußere. Erst später empfinden wir es als unerträglich, in bezug auf dasselbe Objekt zwei entgegengesetzte Arten des Verhaltens unvereinigt nebeneinander zu dulden, wie es beim Kind der Fall ist. Auch in der Religionsgeschichte läßt sich dies verfolgen, da oft (beispielswese bei den Ägyptern) alle aufeinander folgenden Gestaltungen der Götter nebeneinander erhalten bleiben." (Nunberg/Federn, Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bd. 4. 1976, S. 69) - Auch am Abend des 1. Mai 1912 ist es der Mentor Freud, der Gross' Theorien in die Debatte um Stekels Aufsatz "Die Masken der Homosexualität" einführt. Ausführlich legt er deren Mängel dar, um erneut auf "Das Freudsche Ideogenitätsmoment ..." zu kommen: "Die Manie ist ein Abwehrversuch durch Stimmungsveränderung. Bei diesen Zyklothymien tritt an Stelle der Verdrängung ein toxischer Stimmungsmechanismus." (Nunberg/Federn, Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Bd. 4. 1976, S. 93)

 

Für freundliche Unterstützung beim Entstehen dieser Arbeit herzlichen Dank an Dr. phil. Bernd Nitzschke (Düsseldorf) und Keith Davis (Freud Museum, London).

 


Wir waren keine Krieger,
wir waren eher Blues Brothers oder Stadtindianer,
kurz vor der Einweisung in ihre Reservate.

Fritz Teufel (1943-2010)

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