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Eduard Schiemann - der “lange Russe” mit dem unfehlbaren System |
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Samstag, den 07. März 2009 um 22:27 Uhr |
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1905 kommt Franziska Schiemann, geb. Beckmann, nach München. Die 43-jährige Witwe des Kaufmanns Eduard Schiemann sen. sieht in der bayerischen Hauptstadt womöglich für sich und ihren 19-jähriger Sohn die günstigsten Möglichkeiten für eine weitere Existenz. Schließlich lebt in München mit Agnes Schiemann eine Verwandte, hier bietet sich außerdem für den am 14. Mai 1885 im russischen Saratow geborenen Sohn, eine gute Gelegenheit, seine Studien fortzusetzen. Noch studiert er - der wie der Vater den Namen Eduard (Gustav) trägt - in Karlsruhe, aber schon im Februar 1906 zieht auch er nach München, bezieht mit der Mutter eine gemeinsame Wohnung in der Mandlstr. 1a/III, und will sein Studium an der Kunstakademie fortsetzen. Eduard Schiemann ist von auffallender Gestalt, schlank, gutaussehend und fast zwei Meter groß. Er wird recht schnell in der Münchener Bohème heimisch: Im Juli 1908 notiert Franziska Gräfin zu Reventlow in ihrem Tagebuch:
Die letzte Nacht bei Schiemann geschlafen, sassen Abends im Leopold Lisa u. ich ganz melancholisch, dass es nur Trennung u. kein Obdach mehr giebt. Sie zog mit Willy Müller ab, mich führte Sch. heimlich zu seiner Höhle, wo Bubi schon schlief. Zündhölzer vergessen u. mich etwas verzweifelt in der fremden dunklen Wohnung herumgetappt.
Bett entsetzlich schmal, schliesslich mich auf den Boden gelegt, erst gegen Morgen etwas geschlafen. Früh mit Bubi gesentimentalt, es war uns doch etwas leid, im Sommer hat wenigstens das grosse Atelier seinen Reiz gehabt mit Vogelzwitschern u. Frühsonne. Und die Gewitter Nachts.
Den Morgen ganz verkatert, noch die letzten Gänge gethan u. den Packern zugesehen. Nach Tisch zu Strahlendorff ausgeruht, Café getrunken, warmes Bad genommen. Abend Bubi u. ich zu Friess übergesiedelt. (Reventlow, Wir sehen uns ins Auge, das Leben und ich, S. 491)
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 07. September 2011 um 20:39 Uhr |
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Die Distanz, das Fremdsein, der Trennungsstrich - Franz Jung: Die andere Sicht auf Otto Gross |
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Dienstag, den 03. März 2009 um 19:14 Uhr |
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“... die darin zufaellig enthaltene Gross Analyse wird Sie interessieren. Sie werfen die Blaetter dann einfach weg.“ So endet ein am 22. Januar 1959 verfasster Brief von Franz Jung an Leonhard Frank, in dem er auf dessen Angebot, ihm bei der Unterbringung seiner Autobiographie bei einem Verlag zu helfen, reagiert. Die angesprochene “Gross Analyse” scheint bekannt, ist doch in den seit 1961 erschienenen Ausgaben von “Der Weg nach unten” bzw. “Der Torpedokäfer” eine recht ausführliche und zudem textidentische Darstellung der Eindrücke und Erlebnisse veröffentlicht worden, die immer wieder als Basis für biographische Betrachtungen des Otto Gross als auch für die Beschreibung des persönlichen Verhältnisses von Franz Jung zu Gross genommen wurden. |
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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. September 2009 um 18:58 Uhr |
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... daß hier aber etwas Wesentliches war ... - Otto Gross: Leben und Zeit |
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Samstag, den 28. Februar 2009 um 14:20 Uhr |
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Franz Kafka ist die im Titel wiedergegebene Einschätzung von Otto Gross zu danken, die gleichwohl für die Zeit, in der Gross lebte, gelten mag. Es ist schwierig, ein Leben und das, dieses Leben umgebende Beziehungsgeflecht zu rekonstruieren, ist doch unsere Gegenwart dem damals vorherrschenden Lebensgefühl gar so fern. Viele der heute gängigen Denkschemata haben sich damals erst herausgebildet, Weltanschauungen und Tendenzen wie Anarchismus, Kommunismus, Lebensreform, Vegetarismus, das Geschlechterverhältnis, aber auch Antisemitismus und Eugenik wurden diskutiert. Wesentlich war, daß sie ihre Tragfähigkeit als gesellschaftliche Konzepte bewiesen - oder untergingen. Martin Green macht Schwabing am Beginn des 20. Jahrhunderts als Kulminationspunkt dieser Auseinandersetzung fest. Er benennt Otto Gross und Adolf Hitler als Hauptexponenten von Weltanschauungen, die im Widerstreit siegen oder verderben sollten. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt. |
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 22. März 2011 um 22:51 Uhr |
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